Das Wichtigste in Kürze

  • Retargeting erreicht Menschen mit Vorkontakt, das stärkste Kaufsignal.
  • Sales-Lead: 50 bis 200 € über Retargeting gegenüber 400 bis 1.200 € kalt.
  • CPC 2 bis 4 € statt 4 bis 8, CTR ~1,5 % statt ~0,45 %.
  • Mindestgröße 300, besser 1.000. Dafür rund 1.000 Website-Besucher/Monat nötig.
  • DSGVO-Vorteil: In-App-Retargeting läuft ohne Cookies.

Retargeting bedeutet, Anzeigen an Menschen auszuspielen, die schon mit dir in Berührung waren: über deine Website, ein Video, eine Anzeige oder ein Formular. Im B2B mit seinem langen Kaufweg ist das der wichtigste Hebel überhaupt. Die Zielgruppe ist kleiner, aber ihr Interesse und ihr Vertrauen sind höher. Das schlägt sich direkt in den Kosten nieder.

Warum ist Retargeting der günstigste Hebel?

Die Rechnung ist eindeutig. Ein Sales-Qualified-Lead kostet über Retargeting oft 50 bis 200 €, über eine kalte Zielgruppe eher 400 bis 1.200 €. Der Klickpreis halbiert sich fast, und die Klickrate ist mit rund 1,5 Prozent gut dreimal so hoch wie die rund 0,45 Prozent, die eine kalte Zielgruppe im Schnitt bringt. Der Grund ist simpel: Du sprichst Menschen an, die dich schon kennen. Das Vertrauen ist teilweise da, die Botschaft trifft auf offene Ohren.

Aus unseren Accounts

Ein direkter Vergleich macht den Unterschied greifbar: dieselbe Anzeige, dieselbe Botschaft, einmal an eine kalte und einmal an eine warme Zielgruppe ausgespielt. Kalt kam sie auf 0,43 Prozent Klickrate und rund 85 € pro Content-Lead. Im Retargeting auf 1,18 Prozent und rund 40 €. Fast die dreifache Klickrate, mehr als halbierte Kosten, allein weil der Kontext ein anderer war. Genau deshalb ist Retargeting keine Kür, sondern der Hebel, der eine Kampagne profitabel macht.

Die Zielgruppen, nach Kaufabsicht sortiert

Nicht jeder warme Kontakt ist gleich warm. Sortiere deine Retargeting-Zielgruppen nach Kaufabsicht und behandle sie unterschiedlich:

  • Website-Besucher: das stärkste Signal, nach Seiten segmentierbar. Wer auf der Pricing-Seite war, steht kurz vor der Entscheidung und bekommt klare Conversion-Ads. Wer im Ratgeber war, braucht noch Fallstudien und Referenzen.
  • Video-Viewer ab 50 Prozent Ansicht und Company-Page-Besucher: mittleres bis hohes Interesse.
  • Ad-Engager und Lead-Form-Interaktionen: Wer eine Document Ad durchgeblättert hat, ist noch früh dran. Webinar- und Demo-Kontakte ranken höher als reine Ratgeber-Downloads.
  • Kontakt- und Unternehmenslisten aus dem CRM: kein aktueller Kontakt, aber wertvoll fürs ABM.
Der DSGVO-Vorteil

Ein oft übersehener Pluspunkt: Nur Website-Besucher brauchen eine Cookie-Zustimmung. Alle anderen Retargeting-Signale, also Video Views, Company-Page-Besuche und Interaktionen mit deinen Anzeigen, entstehen direkt in LinkedIn, ohne Third-Party-Cookies. Diese Zielgruppen schrumpfen nicht durch Cookie-Blocker. Wer viel über Video und Content arbeitet, baut sich so ein stabiles Retargeting-Publikum auf, das der Cookie-Zerfall nicht trifft.

Kurz in eigener Sache

Genau das bauen wir mit B2B-Teams auf: kein Agenturmandat, sondern euer eigenes System. Im Coaching gehen wir es gemeinsam durch. Wer lieber selbst loslegt, findet alles im Kurs.

Die zweistufige Retargeting-Strategie

Retargeting funktioniert am besten in zwei Phasen. In der Aufwärmphase spielst du an eine kalte Zielgruppe (Core Audience) Single Image und Video Ads aus, die Pains ansprechen und Content anbieten. Ziel: das Problem sichtbar machen und die Interessierten herausfiltern. In der Retargeting-Phase sprichst du dann genau die an, die reagiert haben, mit Testimonials, Case Studies, Demo-Videos und Thought Leader Ads. Der Content richtet sich nach dem Zeitfenster: In den ersten 30 Tagen darf er sales-orientiert sein, nach 90 Tagen eher Ratgeber, weil der akute Bedarf abgeflaut ist.

Den Feed besetzen: Layering

Ein starker Kniff für warme Zielgruppen: Statt einer Anzeige lässt du zwei bis drei Anzeigengruppen mit verschiedenen Anzeigenformaten parallel auf dieselbe Gruppe laufen, etwa eine Single Image im Feed, dazu eine Text Ad oben und eine Spotlight Ad in der rechten Spalte. Loggt sich der Kontakt ein, begegnest du ihm an mehreren Stellen gleichzeitig. Das wirkt wie Präsenz, nicht wie Penetranz, weil die Formate unterschiedlich aussehen. Das Beste daran: Für eine kleine warme Zielgruppe von 2.000 bis 3.000 Personen genügen dafür oft schon rund 10 € pro Tag. Retargeting ist der seltene Fall, in dem viel Wirkung wenig kostet.

Anzeigen frisch halten

Warme Zielgruppen vertragen mehr Druck als kalte, aber auch sie nutzen sich ab. Der Wert dahinter heißt Frequenz: wie oft ein und dieselbe Person deine Anzeige im Schnitt zu sehen bekommt. Bei einer kleinen Retargeting-Gruppe, die über Wochen läuft, steigt dieser Wert schnell, weil dieselben Leute immer wieder dieselben paar Anzeigen sehen. Irgendwann kippt die Wirkung: Die Anzeige nervt oder wird übersehen, die Klickrate fällt, der Klick wird teurer. Das ist Ad Fatigue, die Anzeige nutzt sich ab.

Dagegen hilft nur eines: genug verschiedene Anzeigen, die sich abwechseln. Als grobe Orientierung: pro Woche, die dein Retargeting-Fenster läuft, ein eigenes Motiv. Für die 30-Tage-Gruppe sind das rund fünf Anzeigen, für ein 90-Tage-Fenster entsprechend mehr. Es müssen keine völlig neuen Kampagnen sein, sondern Varianten: anderer Aufhänger, anderes Bild, mal ein Testimonial, mal eine Case Study, mal ein kurzes Video.

Stell die Rotation zusätzlich auf "Gleichmäßiger Anzeigenturnus", sonst spielt LinkedIn mit der Standardeinstellung "Leistung verbessern" nur die eine Anzeige mit der besten Klickrate aus, und genau die nutzt sich am schnellsten ab. Und wer konvertiert hat, fliegt aus der Zielgruppe, damit du niemanden weiter bewirbst, der schon gekauft hat.

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Das Targeting-Playbook

Retargeting-Zielgruppen sind Targeting-Arbeit wie jede andere. Die Kriterien-Kombinationen und unsere Ausschluss-Liste liegen kompakt in einem Playbook.

So startest du

Die Basis ist das Insight Tag, in rund 15 Minuten über den Google Tag Manager eingebunden. Du brauchst genug Traffic, grob 1.000 Website-Besucher im Monat, und legst pro Interaktion eine eigene Zielgruppe an, die sich über ein bis sechs Wochen füllt. Nutze von Anfang an eine feste Namenskonvention, sonst weißt du nach ein paar Wochen nicht mehr, wer hinter welcher Liste steckt. Ist eine Zielgruppe anfangs zu klein für 300 Personen, kombinierst du mehrere. Und ein starker Extra-Hebel: Teuren Google-Ads-Traffic mit klarer Kaufabsicht kannst du günstig per LinkedIn nachfassen.